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GÖTTINGEN. Beinahe hätte er nicht einmal studieren dürfen. „Die Partei“ in seiner brandenburgischen Heimatstadt bemängelte bei ihm das Fehlen von Engagement für den „Sozialismus“. Um ein Universitätsstudium aufnehmen zu können, musste Werner Lehfeldt „Republikflucht“ begehen, also nach Westdeutschland übersiedeln. In diesem Jahr hat ihn das Plenum der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen zum Vizepräsidenten und Vorsitzenden der Philologisch-Historischen Klasse gewählt. Er tritt sein Amt am 1. April 2006 an.
Das wissenschaftliche Interesse des Professors für Slavische Philologie an der Georg-August-Universität Göttingen gilt vor allem der historischen und der synchronen Linguistik der slavischen Sprachen. So erschloss er das Schrifttum der bosnischen Muslime, das in arabischer Schrift geschriebene sogenannte Aljamiado-Schrifttum, als wichtige Quelle für die Geschichte des Serbokroatischen und edierte in diesem Zusammenhang unter anderem ein in Istanbul aufbewahrtes mehrsprachiges Sprachlehrwerk aus dem 15. Jahrhundert. Außerdem schrieb er Arbeiten zur Geschichte des Russischen, des Serbischen und des Kroatischen, entwickelte eine Methode zum exakten morphologisch-typologischen Vergleich der slavischen Sprachen und wandte diese Methode mit seinen Mitarbeitern auf sämtliche slavische Sprachen an.
Er verfasste darüber hinaus eine Einführung in die historische Akzentologie der Slavischen Sprache, eine systematische Darstellung des Akzentsystems des Russischen und eine Einführung in das Studium der Sprachwissenschaft für Slavisten. Zusammen mit dem mathematischen Linguisten Gabriel Altmann widmete sich Lehfeldt außerdem den quantitativen Aspekten der Sprachwissenschaft. Zusammen verfassten sie eine Einführung in die quantitative Phonologie und eine Darstellung der Methoden der allgemeinen Sprachtypologie. Insgesamt hat Werner Lehfeldt 14 Monographien und mehr als 100 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht.
Werner Lehfeldt wurde am 22. Mai 1943 in Perleberg, im Nordwesten der Mark Brandenburg, geboren und floh noch vor seinem Abitur in den Westen. Dort studierte er ab 1962 an den Universitäten Mainz, Hamburg und Bochum Slavistik und Geschichte. 1965/66 verbrachte er ein Studienjahr in Sarajevo und schrieb dort seine Dissertation. Lehfeldt habilitierte sich 1973 in Bochum, drei Jahre später wurde er auf einen Lehrstuhl an die Universität Konstanz berufen. Die Rufe nach Hamburg und Genf 1981 und 1990 nahm er nicht an, war aber in Basel, Zürich und Genf mehrfach als Gastprofessor tätig.
1991 wechselte Prof. Lehfeldt an die Göttinger Georg-August-Universität. Er ist Mitglied der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Herausgeber der angesehenen Zeitschrift „Russian Linguistics“ und ab April 2006 Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.
Kontakt:
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