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BERLIN. Auf den ersten Blick sind es unscheinbare Pflänzchen. Sie wachsen langsam, haben komplizierte Namen und schillern weniger als ihre „Nano“-Nachbarn. Doch muss die geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung deshalb für die Öffentlichkeit ein Mauerblümchen bleiben? Oder kann man auch sie populär vermitteln? Darüber diskutierten in einem Workshop der Akademienunion Journalisten, Wissenschaftler und PR-Vertreter von Akademien, Hochschulen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
„Für die Geisteswissenschaften gelten keine anderen Regeln“, sagte Dr. Jutta Rateike, Pressereferentin der DFG. Ein Projekt aus der theoretischen Chemie sei nicht leichter zu veranschaulichen als eines aus der Archäologie. Und selbst spröde Themen könnten faszinierend werden, wenn der forschende Mensch gezeigt werde und Anknüpfungspunkte zum Wissens- und Lebensumfeld der Zielgruppen gegeben seien. Vor allem müsse für die Wissenschaftler der Kontakt mit der Öffentlichkeit selbstverständlich werden: Die DFG zeichne daher herausragende Wissenschaftskommunikatoren aus, trainiere junge Forscher im Umgang mit den Medien und stelle Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit von DFG-Projekten bereit.
Im Fernsehen habe geisteswissenschaftliche Forschung dennoch kaum eine Chance, wandte Robert Donauer von der Deutschen Welle ein. Das liege an den Stärken und Schwächen des Mediums: „Inhalte sind im Fernsehen sekundär.“ Auch komplizierte Themen müssten auf Anhieb verstanden und von starken, emotionalen Bildern begleitet werden. „So haben die Zuschauer das Gefühl: Ich bin dabei!“.
„Wenn es um Emotionen geht wieso sind dann die Naturwissenschaften so sehr im Blickfeld der Öffentlichkeit?“, fragte Jürgen Kaube von der FAZ. Eigentlich sei Menschen die soziale Welt näher. Das könnte auch den Projekten im Akademienprogramm zugute kommen. Ihr Nachteil: „Warum sollte ich gerade jetzt über ein Langfristprojekt schreiben?“ Medien richteten sich nach Moden, wollten Neues. Forscher, die Langzeitprojekte bearbeiteten, würden in anderen Zeithorizonten denken. Sie drängten sich nicht auf, seien unaufgeregt und geduldig. Ihre Themen vermisse niemand im Alltag, die Relevanz ihrer Forschung erschließe sich vor allem anderen Wissenschaftlern. Ausnahmen seien Projekte wie die „Enzyklopädie des Märchens“. Das klinge auch für Laien verheißungsvoll.
Doch auch wenn die Forschung sich hinter komplizierten Titeln verberge, könne sie verheißungsvoll sein. „Man sollte uns mehr erzählen lassen“, sagte Prof. Thomas Hengartner, Leibnizpreisträger und derzeit am Institut für Volkskunde der Universität Hamburg. „Nichts ist für mich ernüchternder als die Frage: Können Sie mir Ihren Ansatz in zwei Sätzen erklären? Das hat den Charme einer Misstrauenserklärung, als ob sich Wissenschaftler nicht allgemeinverständlich ausdrücken könnten.“ Misslich sei die Aufforderung vor allem, weil sie nur Fakten abfordere und das Erzählen ausschließe. Letzteres jedoch biete Chancen: Man könne sein Gegenüber in seinem Alltag abholen, Deutungsangebote machen statt von oben herab auf eine Deutungshoheit zu pochen. Erklären dagegen erwecke bei den Geisteswissenschaften erst den Anschein, sie seien schwer vermittelbar, abgehoben oder unglaublich langweilig: „Das gerät zu schnell ins Belehren.“
Wie man diese Anregungen auch ohne eine große PR-Abteilung und entsprechenden Etat gelungen umsetzen kann, demonstrierte die Generalsekretärin der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (SAW), Ute Ecker, mit dem „Garten der Erkenntnis“. Die Ausstellung wurde mit dem Workshop eröffnet. Für vier Wochen waren die Besucher des Wissenschaftsforums Berlin dazu eingeladen, von Forschungsprojekt zu Forschungsprojekt der SAW zu spazieren. Auch wer nur vorbeieilen konnte, dem fielen doch die 26 Schlagwörter auf hellgrünen und roten Quadraten auf. Und plötzlich tauchten Fragen auf: Was hat es mit der „Binsenweisheit“ auf sich? Wer kultiviert den „Wortgarten“? Und wohin wächst das „Wurzelwerk“? Im Garten der Erkenntnis gab es manch seltenes „Gewächs“ zu entdecken und manche Seite für den Ausstellungskatalog zu pflücken. Keine Mauerblümchen, eher seltene Orchideen. Das interaktive Konzept wurde im letzten Jahr mit dem iF communication design award (gold) ausgezeichnet.
Kontakt:
Myriam Hönig
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
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Markgrafenstraße 37
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Tel.: 030 / 325 98 73 70
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