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Keine Note geht verloren
Die „Neue Mozart-Ausgabe“ sammelt das musikalische Schaffen des Komponisten

SALZBURG. Drei Regalmeter füllen die roten Leinenbände der Neuen Mozart-Ausgabe. Mit viel Ausdauer und Akribie haben mehr als 70 renommierte Musikwissenschaftler aus aller Welt in mehr als 50 Jahren alle Werke Mozarts neu ediert. Sie widerlegten dabei etliche Mythen und brachten manch Vergessenes ans Licht. Seit 1976 fördert die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften das Vorhaben mit insgesamt 2,83 Millionen Euro.

Als in den 50er Jahren über eine Neue Mozart-Ausgabe (NMA) nachgedacht wurde, war das nicht völlig unumstritten. Die alte sei doch recht zuverlässig, hieß es da, vielleicht könne man sie einfach überarbeiten und ergänzen. Eine Laufzeit von über 50 Jahren konnte sich für das Projekt erst recht keiner vorstellen. Wenn schon eine neue Ausgabe, so hatte man sich vorgenommen, werde man sicher bis zu acht Bände pro Jahr schaffen.

Zu einem solch rasanten Tempo ist es nie gekommen. Denn die Väter der NMA hatten die Mammutaufgabe, die vor den Mozartforschern lag, gehörig unterschätzt. Und die Alte Mozart-Ausgabe (AMA) überbewertet. Zwischen 1877 und 1883 entstanden, war sie zweifellos eine technische und auch wissenschaftliche Leistung ersten Ranges. „Dennoch entsprach sie in keiner Weise dem, was man heute von einer kritischen Werkausgabe erwartet“, sagt Dr. Dietrich Berke, seit über 30 Jahren Mitglied der NMA-Editionsleitung.

So sei die Quellenauswahl zumindest teilweise völlig willkürlich gewesen: Statt alle verfügbaren Quellen zu Rate zu ziehen, begnügten sich die Forscher aus dem 19. Jahrhundert oft nur mit einer einzigen – ohne die Auswahl zu begründen. „Manchmal war auch diese eine Quelle in Wirklichkeit wertlos“, sagt Berke. Uneinheitlich seien auch die jeweils zugrunde gelegten Editionsrichtlinien. Der Verlag habe bei den Editoren vor allem auf große Namen gesetzt. Und die machten es dann oftmals so, wie sie es für richtig hielten. Hinzu kam, dass damals manche Werke Mozarts noch gar nicht bekannt waren.

Doch die AMA war auch aus ganz praktischen Gründen unbrauchbar geworden: Sie verwendete unter anderem alte Schlüssel für die Vokalstimmen – mittlerweile kann die kaum noch jemand lesen. So kam der NMA nicht nur die Aufgabe zu, für die 20 Bühnenwerke, die 50 Sinfonien, rund 40 Solokonzerte, die Kammermusikwerke, Messen, andere Kirchenwerke und vieles mehr einen möglichst authentischen, wissenschaftlich korrekten Urtext zu ermitteln, der zugleich auch in der musikalischen Praxis unmittelbar verwendbar ist.

Und sie beschränkte sich dabei nicht auf die aufführbaren Werke, sondern bezog die gesamte musikalische Hinterlassenschaft Mozarts ein – von Skizzen und Fragmenten, über Studienbücher für Mozarts Schüler bis hin zu Bearbeitungen fremder Werke. Das Ergebnis: rund 130 Notenbände mit 24.000 Notenseiten, von denen eine Werkausgabe in 105 Bänden im Mozart-Jahr 1991 sogar als Taschenbuch erschienen ist, und 8.000 Seiten Kritische Berichte wurden von der Internationalen Stiftung Mozarteum herausgegeben und sind beim Verlag Bärenreiter in Kassel erschienen. Im Mozartjahr und bis spätestens Juni 2007 folgen die letzten noch fehlenden Bände und Kritische Berichte.

Hat es sich gelohnt? Berke meint: „Was für die Wissenschaft gut ist, nützt auch der Praxis, oder etwas deutlicher: Je penibler die Methoden, nach denen ediert wird, desto zuverlässiger die Noten, nach denen musiziert wird.“

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