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SALZBURG. Die Erwartungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sich für Mozart begeistern: Während sich der eine zum ersten Mal an ein Werk traut, erforscht es der andere seit Jahren. Und während den Laien die 24.000 Notenseiten und 8.000 Seiten Kritische Berichte der Neuen Mozart-Ausgabe (NMA) ratlos machen, kann es für den ausgewiesenen Experten gar nicht aktuell und ausführlich genug sein. Für dieses Dilemma hat die Internationale Stiftung Mozarteum nun eine Lösung. Sie hat die Neue Mozart-Ausgabe aus dem Akademienprogramm Schritt für Schritt digitalisiert. Im Internet will sie sie nun so präsentieren und ergänzen, dass jeder Nutzer das findet, was er sucht.
Im Oktober soll es soweit sein. Kurz vor Abschluss der gedruckten Version der Neuen Mozart-Ausgabe kann jeder Musikliebhaber die Noten und Texte im Internet weltweit und kostenfrei abrufen einschließlich der Kritischen Berichte und Supplementbände. In der 20bändigen Taschenbuchausgabe, mit der die NMA das Hauptkorpus von Mozarts Werk bereits 1991 einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte, fehlten sie noch. Über 8.000 von 32.000 Seiten wurden bereits in digitale Bildscans umgewandelt. Im Moment tüfteln die Forscher der Internationalen Stiftung Mozarteum zusammen mit einer Partnerfirma daran, wie man sie benutzerfreundlich aufbereiten kann. Ein erheblicher Aufwand an Zuordnungen und Indizierungen unspektakulär, wenn sie funktionieren, aber äußerst irritierend, wenn es einmal schief geht. „Und das ist erst Phase eins“, sagt Dr. Ulrich Leisinger, der die Digitalisierung und die Internationale Stiftung Mozarteum wissenschaftlich leitet.
Was dann folgt, ist eine Mammutaufgabe, die 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen wird. Denn die Neue Mozart-Ausgabe soll nicht das letzte Wort behalten: Nach und nach soll aus ihren Noten- und Worttexten im Internet die Digitale Mozart-Edition (DME) werden, finanziert vom amerikanischen Packard Humanities Institute. Die Digitale Mozart-Edition wird zwar in absehbarer Zeit auf keinem Notenpult landen, hat aber gegenüber der NMA einige andere Vorzüge: Während an der Printausgabe zwei Generationen von Musikwissenschaftlern nach sich langsam verändernden Editionsrichtlinien und mit einer zum Teil prekären Quellenlage arbeiteten, kann die DME die jeweils aktuellsten Forschungsergebnisse und Quellen berücksichtigen. Sie soll künftig als Plattform dienen, mit der alle wissenschaftlichen Aktivitäten der Internationalen Stiftung Mozarteum im Internet publiziert werden.
„Zusätzlich können wir Kompositionen mit mehreren Fassungen, aber auch Mozarts Schaffensprozess besser veranschaulichen“, sagt Leisinger. Bei einigen Werken könne man die jeweiligen Notenpartien sogar von Originalinstrumenten einspielen lassen so werden die Unterschiede sofort hörbar. Viele Mozartbegeisterte fragten auch danach, wie sich Quelle und Edition zueinander verhalten. Genau diese interessierten Laien stellen die Internationale Stiftung Mozarteum vor die größte Herausforderung: Sie müssen anders durch die Quellen und Forschungsergebnisse geleitet werden als Wissenschaftler, die mitunter jeden Tag damit arbeiten.
„Wir wollen Mozarts Werk für jeden zugänglich machen“, sagt Leisinger. Daher soll jeder Benutzer seinen Kenntnisstand und seine Erwartungen selbst definieren können. Im Hintergrund werden dann die Daten so durchforstet, dass er wirklich nur das bekommt, was er sucht und versteht seien es nun Noten oder Bilddokumente, Literaturhinweise oder Werkregister, Kommentare oder Hörbeispiele. Auch die wertvollen Autographe, die in Salzburg lagern, sollen so einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden: zunächst vor allem Mozarts Korrespondenz, später auch die Briefe der Familie Mozart, die nach seinem Tod entstanden sind.
Ein Testfall für die digitale Präsentation von Mozarts Schaffen ist die CD-ROM „Mozart Digital. Fantasie & Sonate KV 475 & 457“, die die Internationale Stiftung Mozarteum im März vorstellte. Online sollen ab 2007 auf einer Mozart-Plattform einige Werke exemplarisch aufbereitet werden.
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