Entwicklung eines korpusbasierten elektronischen Wörterbuchs Deutsche Gebärdensprache (DGS) - Deutsch

Ziel des Projekts „DGS-Korpus“ ist die systematische Erfassung und Dokumentation der Deutschen Gebärdensprache in ihrer lebendigen Vielfalt und die Erstellung eines elektronischen Wörterbuchs auf Grundlage der Korpusdaten. Das Wörterbuch wird ein wichtiges Nachschlagewerk für alle sein, die die Deutsche Gebärdensprache als Kommunikationsmittel nutzen, aber auch für DGS-Lerner und Sprachwissenschaftler. Über das Wörterbuch hinaus wird das Korpus auch langfristig eine Vielzahl von Möglichkeiten für die Erforschung zahlreicher Aspekte der DGS bieten.

Die Deutsche Gebärdensprache ist eine über die Jahrhunderte entstandene natürliche und visuelle Sprache, die einen umfassenden Wortschatz und eine differenzierte Grammatik hat. Gebärdensprache ist nicht international – die DGS unterscheidet sich von anderen nationalen Gebärdensprachen, und auch innerhalb der DGS gibt es regionale Unterschiede (Dialekte).
Im Zeitraum von 2010–2012 wurden an 12 verschiedenen Orten in Deutschland 330 Gehörlose gefilmt. Etwa 350 Stunden Videomaterial werden von einem Team aus Gehörlosen und Hörenden bearbeitet und analysiert. Daraus entsteht ein annotiertes Korpus. Die Videos enthalten viel Interessantes aus dem Leben Gehörloser und haben daher auch einen hohen kulturellen Wert.

Die Auswahl und Beschreibung der Gebärden im elektronischen Wörterbuch wird sich in erster Linie auf das Korpus stützen. Alle Informationen zu den Gebärden werden durch ihre Verwendung im Kontext und die aktive Einbeziehung der Gebärdensprachgemeinschaft abgesichert. Ein repräsentativer Ausschnitt der Videos ist bereits jetzt online verfügbar. Wörterbuchartikel werden in einer vorläufigen Form sukzessive veröffentlicht. Das Langzeitforschungsprojekt ist auf eine Gesamtlaufzeit von 15 Jahren angelegt und wird in Kooperation mit der Universität Hamburg durchgeführt.

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