Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620)

In Straßburg, Württemberg (Tübingen) und der Kurpfalz (Heidelberg) entwickeln sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts drei konkurrierende Modelle der Reformation ("oberdeutsch", lutherisch, reformiert) mit intensiver gegenseitiger Beeinflussung und auch in verstärkter Abgrenzung voneinander. Die Quellengattung "Briefe" (auch in Gestalt von Widmungsbriefen, Gutachten und Berichten mit Briefcharakter) soll seitens des Forschungsvorhabens nutzbar gemacht werden, um die Motive und Mechanismen der Konfessionalisierung und ihrer Folgen in der Frühen Neuzeit zu klären. Eine genauere Bestimmung des Verhältnisses von Säkularisierung und Konfessionalisierung ist gegenwärtig eine zentrale Frage der Historiographie der Frühen Neuzeit-Forschung. Sie ist für die Deutung der Entstehungsgeschichte der westlichen Zivilisation insgesamt ebenso zentral wie für die gegenwärtige Frage nach der Rolle von Religion in der Öffentlichkeit.

  • Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620)

    Brief des Theologen Immanuel Tremellius an den reformierten Theologen Konrad Hubert von 1559 // Archives de Strasbourg, 1 AST 162/120, p. 319

Aufgabe des Akademieprojekts ist die möglichst vollständige Erfassung, Erschließung und Teiledition der Briefe von protestantischen Theologen im Südwesten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation in der Zeit zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Dreißigjährigen Krieg. Das Corpus umfasst ca. 35.000 Briefe von etwa 100 Personen. Diese große Menge Quellenmaterial ist nur zu bewältigen, indem der größere Teil lediglich rudimentär erfasst, ein weiterer Teil als Reproduktion der handschriftlichen Vorlage wiedergegeben sowie eine noch begrenztere Auswahl transkribiert geboten wird. Die 1.000 wichtigsten Briefe sollen ediert und kommentiert werden.

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