Papsturkunden des frühen und hohen Mittelalters

Papsturkunden entwickelten sich im Laufe des Mittelalters zu einem wichtigen Medium der Kommunikation und sind daher von besonderem historischem Interesse. Seit über 100 Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt mit diesen Schriften. Ermöglicht wird die Forschung durch ein Projekt der Göttinger Akademie, das 1896 begonnen und seit 1931 von der Pius-Stiftung mitgetragen wird. Jüngst hat die Bund-Länder-Kommission weitere Mittel zur Verfügung gestellt, so dass nun auch Papsturkunden aus bisher weitgehend unbeachteten Gebieten an Europas Ost- und Westgrenze erforscht werden können.

  • Papsturkunden des frühen und hohen Mittelalters

    Feierliches Privileg Papst Innocenz' II. für das Stift Riechenberg bei Goslar aus dem Jahr 1139 // Diplomatischer Apparat der Universität Göttingen, Urk. 1.

Im Mittelalter gab es über lange Zeit hinweg nur eine einzige zentrale Institution inmitten der politischen und kulturellen Vielfalt Europas: das Papsttum. Der Papst leitete Bischöfe und andere Kleriker an, er benannte Richter, gewährte Privilegien und verlieh Besitzungen, er entschied in Streitfällen und korrespondierte mit weltlichen Herrschern. Und zwar tat er dies mittels Urkunden, die er den Betreffenden zukommen ließ. Diese Urkunden trugen wesentlich dazu bei, dem Papsttum zunehmend eine Vorrangstellung zu sichern. Im 12. Jahrhundert nahm ihre Zahl drastisch zu, ein Zeichen für die wachsende Macht und Zentralisierung der Kirche. Die Papsturkunden beeinflussten die Schriftentwicklung und die Kanzleigebräuche zahlreicher europäischer Regionen. Ihre Erforschung ist daher nicht nur eines der reizvollsten, sondern auch eines der bedeutsamsten Arbeitsfelder der Mediävistik und der europäischen Geschichte.

Das Projekt "Papsturkunden des frühen und hohen Mittelalters" umfasst Schriftstücke bis zum Jahre 1198. Das Unternehmen konzentrierte sich bisher auf die Beziehungen zwischen Papst und Christenheit in dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches und angrenzenden Regionen (Italien, Deutschland, Frankreich). Etwa 30.000 Dokumente sind überliefert. Kürzlich hat die Bund-Länder-Kommission Mittel für ein Langfristprojekt zur Verfügung gestellt, das eine Neuausrichtung der Papsturkundenforschung möglich macht.

Es soll darum gehen, den päpstlichen Einfluss auch in den "Randzonen" des Ostens und Westens aufzuarbeiten. In diesen Peripherien werden zahlreiche Neufunde erwartet, die auch neue Antworten auf die Frage versprechen, wie die Päpste ihre universellen Ansprüche gegenüber dem politischen Partikularismus Geltung verschafften.

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