Digitale Gesamtedition und Übersetzung des koptisch-sahidischen Alten Testaments

Die koptisch-sahidische Bibel ist eines der bedeutendsten literarischen Zeugnisse des Christentums im östlichen Mittelmeerraum. Das im Wesentlichen bereits im 4.Jh. entstandene koptische Alte Testament ist eine der frühesten und umfangreichsten Versionen der griechischen Septuaginta (LXX). Die Bibel auf Koptisch ist Quelle und Inspiration für die gesamte koptisch-christliche Literatur Ägyptens und ein zentrales Textkorpus der ägyptischen Sprache, deren jüngste Stufe das Koptische darstellt.

  • Digitale Gesamtedition und Übersetzung des koptisch-sahidischen Alten Testaments

    Die Papyrus-Handschrift aus dem 4.Jh. enthielt einmal mehrere biblische Bücher und befindet sich heute in der British Library in London. Aus: Ernest A. Wallis Budge, Coptic Biblical Texts in the Direct of Upper Egypt, London 1912, pl. IV.

Vor allem der Niedergang koptisch-christlicher Buchkultur unter der arabisch-islamischen Herrschaft im Mittelalter führte zu einer extremen Fragmentierung und Zerstreuung von Klosterbibliotheken, an der eine Gesamtedition des koptischen Alten Testaments bisher gescheitert ist. Methoden und Werkzeuge der digitalen Geisteswissenschaften bieten nun die technischen Möglichkeiten, die Handschriften, die seit dem 18. Jh. durch Missionare und Händler, z.T. in Einzelblättern oder Fragmenten, in über 100 Sammlungen Europas und die USA gelangt sind, virtuell wieder zusammenzuführen und zu edieren.

Das Projekt "Digitale Gesamtedition und Übersetzung des koptisch-sahidischen Alten Testaments" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat die Aufgabe, alle Zeugnisse der koptisch-sahidischen alttestamentlichen Bibelübersetzung zu sammeln, digital (und in Buchform) zu edieren und in die Sprachen Deutsch, Englisch und Arabisch zu übersetzen. Die Handschriften werden im „Virtual Manuscript Room“, der zugleich als Handschriftenrepositorium und Publikationsplattform dient, katalogisiert, beschrieben und ediert. Jede erhaltene Handschriftenseite ist durch digitale Surrogate vertreten, und die Einzelfragmente werden wieder virtuell zu Blättern vereint und zu Kodizes rekonstruiert. Aufbauend auf bedeutende Vorarbeiten von Vorgängerprojekten und eingebettet in zahlreiche internationale Kooperationen werden damit nicht nur die Handschriften rekonstruiert und ediert, sondern auch ihre Texte digital erschlossen und für weitere Forschungen zugänglich gemacht.

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