Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung - Siedlungsarchäologische Grundlagenforschung zur Eisenzeit im Baltikum

Das reziproke Wortpaar "Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung" im Projekttitel umreißt die wesentlichen Schwierigkeiten und Chancen der traditionsreichen, aber nicht unproblematischen Geschichte der archäologischen Wissenschaften in den äußerst fundreichen und für die Entwicklung des nördlichen und östlichen Europas wichtigen Landschaften an der südlichen Ostseeküste, insbesondere im ehemaligen Ostpreußen, dem heutigen Kaliningrader Gebiet Russlands, aber auch in Polen, Litauen und Lettland.

Einerseits beschreibt der Titel des Projektes die reiche, von Forschern mehrerer Länder über eineinhalb Jahrhunderte zusammengetragene Quellenbasis, deren zentrales Element - die ehemalige Königsberger Prussia-Sammlung und weitere vorkriegszeitliche Archivbestände - durch Kriegsereignisse und spätere politische Umstände verloren geglaubt waren. Doch seit den 1990er Jahren konnten die Bestände größtenteils wiederentdeckt werden und sind nunmehr nach jahrelanger mühevoller Kleinarbeit soweit geordnet, dass sie der Wissenschaft wieder zur Verfügung stehen. Gerade diese Archivalien und Funde symbolisieren die durch den Krieg unterbrochene lange Forschungskontinuität, die nun im Rahmen des Projektes in internationaler Zusammenarbeit wiederhergestellt und weitergeführt wird. Andererseits greift der Projekttitel das Phänomen der bemerkenswerten Siedlungsstabilität der baltischen Kulturen auf, die die großen Migrationsbewegungen der Völkerwanderungszeit weitestgehend genauso unverändert überdauerten wie ihre archäologischen Hinterlassenschaften: die zahlreichen Burgwälle, die im dichten Geflecht von umliegenden, meist noch unerforschten Siedlungen und Gräberfeldern nur die sichtbare Spitze des archäologischen Eisbergs bilden.

  • Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung

    Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung

Zentrales Anliegen des Vorhabens ist somit die umfassende Untersuchung einer äußerst komplexen Siedlungs- und Kulturlandschaft im ersten vor- und nachchristlichen Jahrtausend in einem geographischen Großraum an der südlichen Ostseeküste. Dabei werden alle verfügbaren Archivalien und Funde aus den Altgrabungen bei gleichzeitiger Einarbeitung neuer Forschungsergebnisse und unter Ausnutzung des heute standardmäßig zur Verfügung stehenden, interdisziplinären Methodenkanons ausgewertet.

Die Ergebnisse werden einerseits in einem Archäologischen Atlas zusammengeführt, der die betreffenden Fundstellen des Baltikums katalogartig kommentiert und gleichzeitig das gemeinsame kulturelle Erbe der Archivalien zur Archäologie der Region dauerhaft sichert, andererseits in einer vielbändigen Publikationsreihe zur Besiedlungsgeschichte vorgelegt. Das Konzept erarbeiteten die Direktoren der beiden antragstellenden Institute "Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie" in Schleswig und "Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz", Prof. C. von Carnap-Bornheim und Prof. M. Wemhoff, in enger Kooperation mit Fachkollegen aus Polen, Russland, Litauen, Lettland, Estland und Deutschland.

Das Gesamtvolumen des Projektes beträgt mehr als 6 Millionen Euro, die in den 18 Jahren Projektlaufzeit drei Wissenschaftlern, einem technischen Mitarbeiter und insgesamt 18 Doktoranden eine Beschäftigung mit der Archäologie des Baltikums ermöglichen.

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