Europäische Traditionen - Enzyklopädie jüdischer Kulturen

Das Akademieprojekt "Europäische Traditionen - Enzyklopädie europäischer Kulturen" ist im Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig angesiedelt. Ziel des Projekts ist die Erschließung, Systematisierung und begriffliche Durchdringung der jüdischen Lebenswelten Europas. Ausgehend von der Frühen Neuzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts werden die jüdischen Lebenswelten vor allem in Hinblick auf ihr universalhistorisches Potential betrachtet und somit in das Korpus der allgemeinen Geschichts- und Kulturwissenschaften integriert.

  • Europäische Traditionen - Enzyklopädie jüdischer Kulturen

    Markus Scholz

Das Gesamtprojekt ist modular aufgebaut. Die Grundlage bildet das Modul I: "Lexikon jüdischer Geschichte und Kultur", das der Erarbeitung und Veröffentlichung eines mehrbändigen enzyklopädischen Werks dient. Dieses Vorhaben bündelt die Forschung und Begriffsbildung zu den neuzeitlichen historischen Lebenswelten der Judenheiten im zentraleuropäischen Raum. Synergetisch damit verbunden sind Modul II: "Bibliothek jüdischer Geschichte und Kultur" sowie Modul III: "Archiv jüdischer Geschichte und Kultur". Die "Bibliothek" ist als gezielte Auswahl und Edition der Überlieferung jüdischer Beiträge zur Wissensgeschichte, vor allem aus den Gesellschafts-, Geistes- und Naturwissenschaften konzipiert, hinzu tritt die Publikation staats- und völkerrechtlicher Literatur. Das "Archiv" erschließt ausgewählte Quellenbestände wie Dokumente, Nachlässe, Briefe und Tagebücher; diese werden in thematisch strukturierten Serien sowie ergänzend in digitalisierter Form veröffentlicht.

Den Auftakt des Projekts bildet die Erarbeitung des auf 7 Bände konzipierten enzyklopädischen Werks, dessen Adressat die interessierte jüdische Öffentlichkeit ebenso wie das allgemeine Publikum ist. Die Stichworte ergeben ein Gesamtbild, das den diasporischen Existenzformen ebenso wie dem Wandel von sakral zu profan geprägten Lebenswelten der Juden Rechnung trägt. Im Zentrum der Analyse und Begriffsbildung stehen zum einen die Institutionen autonomen Charakters, die es Juden ermöglichten, rechtlich-korporativ reguliert bis in die Moderne hinein als Juden zu leben.

Damit verbunden, aber auch darüber hinaus, gilt der Blick zum anderen dem Merkmal der Textualität: Es ist der sakrale, zunehmend sich profanierende Text, der das eigentliche Element jüdischer Selbstverständigung ist. In der Moderne säkularisieren sich solche Formen der Textualität zu Wissen und Wissenschaft, zu Denkschulen bis hin zur Theorie. Damit einher geht der räumliche Fokus, der sich insbesondere auf die multiethnisch und multikonfessionell komponierten Vielvölkerreiche der Habsburger, Romanows und der Osmanen richtet, ohne westeuropäische Entwicklungen zu vernachlässigen.

Darüber hinaus analysiert das geplante enzyklopädische Werk die sakralen wie vielfältigen modernen vernakularen Sprachen der Juden, ihre Verwendungszusammenhänge und Literaturen; zudem werden einzelne Stichworte spezifischen Erinnerungsorten gewidmet sein, aus deren Summe sich eine mentale Karte der jüdischen Erfahrung ergibt.

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