Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur

Rund 3500 Jahre lang (34. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.) hat die Keilschrift der Dokumentation, Bewahrung und Vermittlung von Wissensinhalten gedient. Die hohe kulturelle und politische Leistungsfähigkeit der Reiche des Vorderen Orients ging mit der Entwicklung und Nutzung dieses Mediums eng einher. Kennzeichnend für die altorientalischen Kulturen ist deshalb nicht zuletzt die außerordentliche Reichhaltigkeit an schriftlichen Hinterlassenschaften, die sehr genau Aufschluss darüber geben, wie der Mensch in einer uns scheinbar fremden Welt handelnd und denkend sein Leben gestaltete und sich die Welt erschloss.

In Assur, der im heutigen Nordirak gelegenen einstigen Hauptstadt des Assyrischen Reiches, förderten zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutsche Ausgrabungen zahlreiche, meist zerbrochene Tontafeln zutage, die mit Keilschrifttexten beschrieben sind. Darunter finden sich etwa 4500 Manuskripte ‚literarischen‘ Inhalts, die in babylonischer, assyrischer oder sumerischer Sprache abgefasst sind. Sie überliefern Beschreibungen von Festen und Ritualen, Tatenberichte von Königen, Chroniken, Mythen, Fabeln, Hymnen, Gebete, astronomische, medizinisch-therapeutische, pharmakologische und divinatorische Traktate, Wörterbücher und vieles andere mehr und zeugen von dem erstaunlich hohen epistemischen Potential der altorientalischen Keilschriftkultur.

  • Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur

Das Team der Forschungsstelle sichtet und entziffert Tausende von Tontafelscherben, rekonstruiert zusammenhängende Textpassagen und legt die unpublizierten ‚literarischen‘ Keilschrifttexte in der Editionsreihe „Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts“ (KAL) vor, deren Bände Transkriptionen, Übersetzungen, Kommentare, Faksimile-Zeichnungen und Glossare enthalten. Angestrebt ist die Wiedergewinnung jenes einst äußerst wirkmächtigen Wissens und seine Transferierung in unsere heutige Welt, um der Erforschung der Kulturgeschichte des Alten Orients neue Impulse zu geben und das Verständnis für die Intellektualität der Sumerer, Babylonier und Assyrer zu fördern.

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