Die alexandrinische und antiochenische Bibelexegese in der Spätantike - Griechische Christliche Schriftsteller

Das Akademieprojekt "Die alexandrinische und antiochenische Bibelexegese in der Spätantike" erschließt durch kritische Editionen maßgeblicher Kommentare und Predigten zu alttestamentlichen Texten sowie vergleichende Untersuchungen einen zentralen Teil der Literatur des antiken Christentums – nämlich die Auslegung desjenigen Teils der christlichen Heiligen Schrift, den das Christentum mit seiner Mutterreligion, dem Judentum, gemeinsam hat. Solche Auslegungen sind nicht nur ein Zeugnis dafür, wie die antike Christenheit im Gespräch mit anderen Religionen, der Philosophie und anderen Wissenschaften die Bibel verstanden und auf die jeweilige Gegenwart hin interpretiert hat; diese Texte ebenso wie ihre Auslegungen haben eine reiche Wirkungsgeschichte bis in die Neuzeit hinein. Die spätantiken Auslegungen, die weitgehend erstmals in modernen kritischen Ausgaben vorgelegt werden, sind weit über den engen Bereich der altertumswissenschaftlichen Forschung hinaus von Interesse und erhellen kulturelle Grundlagen Europas.

  • Die alexandrinische und antiochenische Bibelexegese in der Spätantike - Griechische Christliche Schriftsteller

    Origenes-Titel / Bayerische Staatsbibliothek, München.

Das neue Unternehmen steht in der Tradition des 1897 durch die Berliner Altertumswissenschaftler von Harnack, Mommsen und von Wilamowitz-Moellendorff begründete Großunternehmen "Die Griechischen Christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte (GCS)", das die griechischsprachigen Texte der antiken Christenheit vollständig edieren sollte. Beim Abschluss dieses Projektes ist dieses Ziel (natürlich auch durch die Mithilfe befreundeter vergleichbarer Editionsunternehmen, vor allem der "Sources Chrétiennes") weitestgehend erreicht worden: Die zentralen antiken christlichen Texte griechischer Sprache der ersten 3 Jahrhunderte und ihre Übersetzungen in die christlich-orientalische Sprachwelt einschließlich des großen gnostischen Textfundes von Nag Hammadi sind zu weiten Teilen in den beiden Reihen "Die Griechischen Christlichen Schriftsteller" (75 Bände) und "Texte und Untersuchungen zur altchristlichen Literatur" (162 Bände) in maßgeblichen Editionen erschienen. Die beiden traditionsreichen Reihen werden vom neuen Projekt sowohl fortgesetzt als auch in ihrem bisherigen Bestand gepflegt; alle bisherigen Bände sind als Nachdruck im Verlag De Gruyter Berlin erhältlich.Bibelauslegung in der Spätantike ist in der wissenschaftlichen Forschung der letzten 200 Jahre gern als Konkurrenz zwischen einer "alexandrinischen" und einer "antiochenischen Exegese" modelliert worden; als Charakteristikum der "alexandrinischen Exegese" führte man ihre Orientierung an der platonischen Metaphysik und den übrigen Wissenschaften und die exzessive Deutung biblischer Passagen als Allegorese an, während die "antiochenische Exegese" als kritisch gegenüber allegorischer Auslegung beschrieben wurde, am wörtlichen Sinn orientiert und an pergamenischen Grammatikern. Auch wenn dieser strikte Dual inzwischen überwunden ist und beispielsweise deutlich wurde, dass auch Antiochener einen höheren Schriftsinn zu entdecken suchen, bleibt die Aufgabe, eine antike Diskussion über die Methoden und Inhalte der Textauslegung der Heiligen Schrift zwischen Theologen aus Alexandria und aus Antiochia zu rekonstruieren - dazu fehlten aber bislang gute kritische Ausgaben. Sie werden nun in Berlin gemeinsam mit hermeneutischen, historischen und philologischen Studien zum Umfeld des Themas erarbeitet.

Mit dem alten Berliner Unternehmen der "Griechischen Christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte" bleibt das neue Projekt insofern eng verbunden, als es wie dieses am Beispiel der Bibelkommentierung fragt, "wie ... sich die griechische und römische Cultur und Litteratur in die christlich-griechische ... verwandelt" hat (Harnack 1900).

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