Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens

Ziel des Forschungsvorhabens unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Leitz, Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES), Abteilung Ägyptologie ist die inhaltliche Erschließung der sogenannten Tempeltexte, die das größte und bei allen zeitlichen und geographischen Unterschieden zusammengehörende Textkorpus Altägyptens darstellen. Das besondere an diesem Korpus ist neben dem Umfang und dem häufig hervorragenden Erhaltungsbestand, dass sich nahezu alle Inschriften und Darstellungen noch an ihrem ursprünglichen Ort befinden. Auch wenn der größte Teil dieser Bauwerke aus griechisch-römischer Zeit nicht mehr erhalten ist, so sind mittlerweile doch schon mehr als 10.000 Seiten hieroglyphischer Text aus diesen von manchen als Bibliotheken aus Stein bezeichneten Tempeln publiziert. Die Tempel wurden in bis dahin nicht gekanntem Umfang mit Inschriften versehen, die mannigfaltige Aufschlüsse zu Kult- und Festgeschehen, religiöser Topographie, Mythen und Göttergruppen, Baugeschichte und Raumfunktionen bieten.

Das Projekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften an der Universität Tübingen hat sich drei große Ziele gesetzt: 1. eine Klassifizierung, d.h. eine Form-, Motiv-, Struktur- und Inhaltsanalyse des überaus vielfältigen Textmaterials. 2. Die Analyse der Texte unter Berücksichtigung ihres Anbringungsortes und ihrer Verankerung innerhalb der Tradition der religiösen Literatur Ägyptens. 3. Eine Gesamtdeutung der Texte, die sich mit der Art der Kodifizierung der religiösen Traditionen Ägyptens in den Tempeln der griechisch-römischen Zeit beschäftigt.

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