Das Sächsisch-Magdeburgische Recht in Osteuropa

Der Sachsenspiegel (niedergeschrieben im Östlichen Harzvorland zwischen 1220 und 1235) und das berühmte Stadtrecht von Magdeburg (entstanden in der Stadt Magdeburg und maßgeblich gestaltet von der Spruchtätigkeit des dortigen Schöffenstuhls zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert.) bilden neben dem römischen und kanonischen Recht gemeinsame Grundlagen mittel- und osteuropäischer Rechtsordnungen. Zeitgleich mit dem EU-Beitritt mehrerer osteuropäischer Länder nimmt ein Akademievorhaben zur Rezeption des sächsisch-magdeburgischen Rechts in Osteuropa seine Arbeit auf. Es ist der Verbreitung des Sachsenspiegels und des Magdeburger Stadtrechts, zweier aus Mitteldeutschland ausstrahlenden Rechtsquellen von europäischem Rang, in den Ländern Osteuropas (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Weißrussland) gewidmet.

Das Vorhaben ist kulturgeschichtlich wie interdisziplinär angelegt und sucht die Verknüpfung mit den laufenden einschlägigen Forschungen in den genannten Ländern. Ziele des Projektes sind: die Gewinnung eines möglichst exakten und quellengestützten Überblicks über die Verbreitung des Sachsenspiegels und des Magdeburger Stadtrechts im osteuropäischen Raum, Erkenntnisse über die rechtlichen und sprachlichen Prozesse bei der Übernahme von Quellen des sächsisch-magdeburgischen Rechts in Landschaften, Städte und Dörfer des Verbreitungsgebiets sowie rechtsinstitutionelle und rechtssprachliche Analysen der auf dem sächsisch-magdeburgischen Recht basierenden (auch landessprachigen) Rechtstexten in jenen Ländern.

Die Internationalität des Vorhabens wird durch eine international zusammengesetzte vorhabenbezogene Kommission und gezielte Kooperationen sichergestellt. Das Vorhaben will neben seiner wissenschaftlichen Ausrichtung einen Beitrag zur Hervorhebung kulturgeschichtlicher Gemeinsamkeiten in einem modernen Europa leisten.

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