Codex Diplomaticus Saxoniae (CDS)

Der "Codex diplomaticus Saxoniae (CDS)" hat bereits eine lange Vorgeschichte. 1860 wurde er von der Sächsischen Staatsregierung als Editionsvorhaben für sämtliche die wettinischen Markgrafen, Landgrafen, Herzöge und Kurfürsten sowie ihre sächsischen Territorien betreffenden Urkunden von den Anfängen bis zur Leipziger Teilung (1485) gegründet. Bis 1909 konnten 24 Bände des CDS vorgelegt werden, doch brach die weitere Bearbeitung des bis dahin erfolgreich vorangetriebenen Projekts in der Zwischenkriegszeit weitgehend ab, so dass nur noch ein weiterer Band 1941 zum Druck gebracht werden konnte. Die Bemühungen um eine Wiederaufnahme der Arbeiten setzten bald nach 1945 ein, als der CDS der Sächsischen Kommission für Geschichte übertragen wurde. Mit der Eingliederung der Kommission in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (SAW) 1956 wurde das Arbeitsvorhaben der Historischen Kommission der SAW erstmals ein Akademie-Projekt. Doch gelang eine Fortführung des CDS auch in diesem neuen institutionellen Rahmen zunächst nicht. Seit 1971/72 konnte immerhin in privater Initiative in Anbindung an die SAW das fehlende Register zu dem 1898 erschienenen 3. Band des Hauptteils I A mit den Mark- und Landgrafenurkunden der Jahre 1196–1234 bearbeitet werden.

Erfolgreichere Bestrebungen zur Fortführung des CDS im Rahmen der SAW setzten erst wieder 1998 ein und führten 2002 zu seiner Aufnahme als Teilprojekt des Akademievorhabens "Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte". Seitdem wird das Projekt arbeitsteilig mit dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden (ISGV) fortgeführt, das bereits bei seiner Gründung 1997 die Mitwirkung am CDS zu seinen wichtigsten Aufgaben gemacht und damit die bereits 1993 am Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte der Technischen Universität Dresden begonnenen Arbeiten am CDS in sein Arbeitsprogramm integriert hat. Während am ISGV die Bearbeitung der auf Sachsen konzentrierten Hauptteile II (Sächsische Klöster, Stifte, Städte) und III (Papsturkunden in Sachsen) übernommen wurde, setzte die SAW die Arbeit am Hauptteil I fort, der die Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen umfasst und dem übergreifende Bedeutung zukommt.

Im Rahmen der hierfür 2002 an der SAW eingerichteten Teilzeitstelle wurde zunächst der 1971/72 begonnene Register- und Ergänzungsband zu CDS I–A/3 (1196–1234) abgeschlossen. Seit 2005 wurde darüber hinaus mit den Vorarbeiten für die Edition der mark- und landgräflichen Diplome der Jahre 1235 bis 1247 (CDS I–A/4) begonnen. Mit der Entscheidung der Union der Akademien und der SAW, den CDS ab 2008 als selbständiges Vorhaben aufzunehmen und künftig mit zwei vollen Mitarbeiterstellen auszustatten, ist nunmehr die Grundlage für eine kontinuierliche Arbeit an der Edition der landesherrlichen Urkunden Thüringens und Sachsens gelegt. Dabei wird zum einen die ältere Abteilung mit den land- und markgräflichen Diplomen der Jahre 1235–1320, zum anderen die jüngere Abteilung mit den Urkunden der wettinischen Fürsten von 1428–1451 fortgesetzt.

Aufgrund der herausragenden Stellung Sachsens und Thüringens unter den deutschen Geschichtslandschaften kommt dem nun wieder aufgenommenen Editionsvorhaben weit überregionale Bedeutung zu. Die Fortsetzung des CDS stellt deshalb einen Markstein für die mediävistische Forschung in Deutschland dar.

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