Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland (CbDD)

Die Deckenmalerei ist ein entscheidendes und sinnstiftendes Element in der Gestaltung barocker Innenräume. Farbenprächtig und mit komplexen bildkünstlerischen, ikonographischen Programmen bestimmt sie die frühneuzeitliche Architektur sozusagen von oben her, sowohl im kirchlichen wie im profanen Bereich, in Schlössern und Festsälen, in Kirchen und Klöstern, in Treppenhäusern oder Bibliotheken. Dabei entfaltet diese in ganz Europa verbreitete, architekturgebundene Malerei an Decken und auch Wänden von der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine erstaunliche thematische, künstlerische und technische Vielfalt und Innovationskraft.

Das Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland (CbDD) setzt sich zum Ziel, den Bestand von über 5.000 Denkmälern dieses Bildmediums auf dem Gebiet des heutigen Deutschland zu erforschen, zu dokumentieren und in den architektonischen, historischen sowie kunsthistorischen Zusammenhängen zu interpretieren. Dabei werden sowohl erhaltene als auch zerstörte, durch historisches Quellenmaterial rekonstruierbare Werkkomplexe berücksichtigt. Die Dokumentation der einzelnen Monumente und ihrer Raumfolgen mit Beschreibungen und Analysen, Bild- und Planmaterial wird ergänzt durch die Erforschung von Querschnittsthemen mit übergreifenden, auch interdisziplinären Fragestellungen, z.B. nach europäischen Künstler- oder Auftraggebernetzwerken, als den beiden tragenden Säulen des Projekts.

  • Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland

    Ute Engel, CbDD, BSV

Das Projekt setzt ein Vorgängerprojekt fort, das von 1976 bis 2010 die Deckenmalereien in Oberbayern in 15 Bänden publizierte. Das neue Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland wird typologisch vorgehen und das Material in vier Modulen bearbeiten: I. Höfe, Schlösser und Residenzen; II. Kommunale und private, adelige und bürgerliche Bildwelten; III. Klöster, Stifte und Kathedralen; IV. Wallfahrts-, Pfarrkirchen und Kapellen.
 
Die Ergebnisse des neuen Corpus werden über eine Internetplattform der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Auch die Dokumentation setzt auf innovative, digitale Technologien. Auf diese Weise wird die kunsthistorische Barockforschung mit den aktuellen Potentialen der digitalen Geisteswissenschaften verknüpft.

Zwei Arbeitsstellen am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität in München und am Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte, Bildarchiv Foto Marburg, arbeiten gemeinsam am neuen Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland. Sie werden von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Akademienprogramm betreut. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist integraler Bestandteil des Projekts. Projektleiter ist Prof. Dr. Stephan Hoppe (LMU München). Es ist eine Laufzeit von 25 Jahren vorgesehen.

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