Akademien der Wissenschaften sind Gelehrtengesellschaften und
Forschungseinrichtungen in einem. Ihre auf Kontinuität, Unabhängigkeit
und Exzellenz basierende Arbeitsweise erlaubt es ihnen,
Forschungsvorhaben zu übernehmen, für die ein langer Atem erforderlich
ist. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung wissenschaftlicher
Wörterbücher, Lexika oder kritischer Gesamtausgaben bedeutender
Philosophen und Komponisten, aber auch die Durchführung
naturwissenschaftlicher Langzeitbeobachtungen. Bestes Beispiel hierfür
ist das gemeinsame Akademienprogramm, das auch international einen Solitär darstellt. Die
in der Union zusammengeschlossenen Akademien sind Forschungsakademien
mit einem Schwerpunkt im Bereich der langfristig angelegten
interdisziplinär ausgerichteten geisteswissenschaftlichen
Grundlagenforschung. Die Akademien schaffen hierdurch Wissensspeicher
für die Zukunft und stellen Grundlagen für die Nutzung des von ihnen
aufgearbeiteten Wissens durch andere Wissenschaftler und die
Öffentlichkeit bereit. Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau
umriss die Bedeutung, die Akademien heute für die Wissenschaft haben,
anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Göttinger Akademie mit
folgenden Worten: „Nirgendwo steht das wissenschaftliche Gespräch so im
Mittelpunkt wie in den Akademien. Nirgendwo sind auch die Wurzeln in
die Tradition der Wissenschaft so stark wie hier. Beides halte ich für
wichtiger denn je: Kann doch die Wissenschaft den immer stärkeren Druck
von Gesellschaft und Wirtschaft nur aushalten und produktiv verwerten,
wenn sie Orte pflegt, die Distanz zum Alltag haben.“
Akademienprogramm
Das Akademienprogramm ist ein seit 1979/80 von Bund und Ländern
gemeinsam finanziertes Programm zur Förderung langfristig angelegter
Forschungsvorhaben in den Geistes- und Naturwissenschaften. Mit dem
Akademienprogramm betreiben die deutschen Akademien der Wissenschaften
das derzeit größte geistes- und sozialwissenschaftliche
Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland. Es wird von der
Union koordiniert und umfasst bei einem Finanzvolumen von rund 54,4
Millionen Euro insgesamt 152 Vorhaben mit 204 Arbeitsstellen (Stand
2012). Diese setzen sich zusammen aus 22 Wörterbüchern, 118 Editionen,
10 naturwissenschaftlichen Langzeitbeobachtungen und zwei Projekten aus
der sozial- und kulturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. In den
Vorhaben sind insgesamt mehr als 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
beschäftigt. Über 100 Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer
engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich in den Vorhaben. Seit
2006 wird das Akademienprogramm jährlich ausgeschrieben. Um darin
aufgenommen zu werden, müssen geisteswissenschaftliche
Forschungsprojekte folgende Kriterien erfüllen: überregionale
gesamtstaatliche Bedeutung, hohe wissenschaftliche Relevanz, eine
Laufzeit zwischen 12 und 25 Jahren und ein finanzielles Mindestvolumen
von 120.000 Euro im Jahr. Über den Haushalt des Akademienprogramms,
über die Aufnahme von Neuvorhaben und die Fortführung von laufenden
Projekten entscheidet die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, in welcher
der Bund und die Bundesländer vertreten sind. Die Entscheidungen werden
auf der Grundlage der von der Akademienunion aufgestellten Finanz- und Programmplanung gefällt.
Forschungsprojekte der Akademien
Weitere Forschungsprojekte werden von einzelnen Akademien in direkter
Förderung durch deren Sitzland oder Drittmittel durchgeführt.
Nachwuchsförderung, Preise und Auszeichnungen
Die in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
zusammengeschlossenen deutschen Wissenschaftsakademien setzen sich
zunehmend für spezielle Formen der Nachwuchsförderung ein. So
organisieren die Akademien Veranstaltungsformate, u. a. den
alljährlichen Akademientag, die besonders Schülerinnen und Schüler
ansprechen und ihnen die Arbeitsweisen der Akademien näher bringen.
Zudem bieten sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die
interdisziplinär arbeiten möchten, Foren für die wissenschaftliche
Kooperation. So hat die Berlin-Brandenburgische Akademie der
Wissenschaften gemeinsam mit der Leopoldina im Jahr 2000 eine „Junge
Akademie“ ins Leben gerufen, die Heidelberger Akademie der
Wissenschaften 2002 das „WIN-Kolleg“ eingerichtet, und 2006 hat die
Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ein
„Junges Kolleg“ für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
gegründet. Um
den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern,
besondere Forschungsleistungen zu prämieren oder ein wissenschaftliches
Lebenswerk auszuzeichnen, vergeben die in der Union der deutschen
Akademien zusammengeschlossenen Akademien darüber hinaus zahlreiche
Preise, Medaillen und Stipendien. Diese Wissenschaftspreise stellen für
die Ausgezeichneten eine besondere Ehrung unabhängig von dem jeweiligen
Geldpreis dar. Sie werden größtenteils bei den öffentlichen
Jahresfeiern der Akademien vergeben. Darüber hinaus sind zahlreiche
Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in den
Forschungsvorhaben der Akademien tätig.
|