Akademienforschung

Kontinuität, Unabhängigkeit und Exzellenz

Akademien der Wissenschaften sind Gelehrtengesellschaften und Forschungseinrichtungen in einem. Ihre auf Kontinuität, Unabhängigkeit und Exzellenz basierende Arbeitsweise erlaubt es ihnen, Forschungsvorhaben zu übernehmen, für die ein langer Atem erforderlich ist. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung wissenschaftlicher Wörterbücher, Lexika oder kritischer Gesamtausgaben bedeutender Philosophen und Komponisten, aber auch Langzeitbeobachtungen an der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Die Basis hierfür ist das gemeinsame Akademienprogramm, das auch international einen Solitär darstellt.

Die in der Union zusammengeschlossenen Akademien sind Forschungsakademien mit einem Schwerpunkt im Bereich der langfristig angelegten interdisziplinär ausgerichteten geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Die Akademien schaffen hierdurch Wissensspeicher für die Zukunft und stellen Grundlagen für die Nutzung des von ihnen aufgearbeiteten Wissens durch andere Wissenschaftler und die Öffentlichkeit bereit.

Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau umriss die Bedeutung, die Akademien heute für die Wissenschaft haben, anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Göttinger Akademie mit folgenden Worten: "Nirgendwo steht das wissenschaftliche Gespräch so im Mittelpunkt wie in den Akademien. Nirgendwo sind auch die Wurzeln in die Tradition der Wissenschaft so stark wie hier. Beides halte ich für wichtiger denn je: Kann doch die Wissenschaft den immer stärkeren Druck von Gesellschaft und Wirtschaft nur aushalten und produktiv verwerten, wenn sie Orte pflegt, die Distanz zum Alltag haben."

Akademienprogramm 2016

  • 144 Vorhaben mit 199 Arbeitsstellen
  • 23 Wörterbüchern
  • 119 Editionen
  • zwei Projekte aus der sozial- und kulturwissenschaftlichen Grundlagenforschung
  • Gesamtvolumen: 62,9 Millionen Euro

Das Akademienprogramm ist ein seit 1979/80 von Bund und Ländern gemeinsam finanziertes Programm zur Förderung langfristig angelegter Forschungsvorhaben in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Mit dem Akademienprogramm betreiben die deutschen Akademien der Wissenschaften das derzeit größte geisteswissenschaftliche Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland. Es wird von der Akademienunion koordiniert und umfasst bei einem Finanzvolumen von knapp 63 Millionen Euro insgesamt 144 Vorhaben mit rund 200 Arbeitsstellen. Diese setzen sich zusammen aus 23 Wörterbüchern, 119 Editionen sowie zwei Projekten aus der sozial- und kulturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. In den Vorhaben sind insgesamt ca. 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Mehr als 100 Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich in den Vorhaben.

Seit 2006 wird das Akademienprogramm jährlich ausgeschrieben. Um darin aufgenommen zu werden, müssen geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte folgende Kriterien erfüllen: überregionale gesamtstaatliche Bedeutung, hohe wissenschaftliche Relevanz, eine Laufzeit zwischen 12 und 25 Jahren und ein finanzielles Mindestvolumen von 120.000 Euro im Jahr. Über den Haushalt des Akademienprogramms, über die Aufnahme von Neuvorhaben und die Fortführung von laufenden Projekten entscheidet die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, in welcher der Bund und die Bundesländer vertreten sind. Die Entscheidungen werden auf der Grundlage der von der Akademienunion aufgestellten Programm- und Finanzplanung gefällt.


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